Stell dir vor, du fährst mit ein paar Jugendlichen aus deiner Gemeinde auf Sommerfreizeit. Oder du unternimmst mit deiner Religionsklasse eine Klassenfahrt. Teil der Freizeit/Klassenfahrt ist die Beschäftigung mit der Bibel und plötzlich meldet sich ein Kind mit der Frage „Woher wissen wir eigentlich, dass Mose die Schöpfung aufgeschrieben hat? Der hat da doch noch gar nicht gelebt?“ Und vielleicht meldet sich ein weiterer Neunmalkluger dazu: „Und seinen eigenen Tod kann er auch nicht aufgeschrieben haben!“ Was antwortest du? Die Uni bietet viele Möglichkeiten, die wir in Seminaren, Vorlesungen und Texten zu Genüge behandeln: verschiedene Autorenschichten, Unterscheidung zwischen Elohist und Jahwist, postexilische Überarbeitung des Geschichtswerkes, verschiedene Redaktionsschichten … Die Liste ist lang. Aber ist das die Antwort, die dieser Schüler, diese Schülerin hören möchte? Oder schwingt in der Frage vielleicht die Unsicherheit mit, die einem Vertrauen der Bibel gegenüber noch im Weg steht? Und wie vermittele ich diese Sicherheit? Gibt es die überhaupt? Wie kann ich eine solche völlig unschuldige und vielleicht tiefernst gemeinte Frage authentisch, zielgruppenorientiert und ehrlich beantworten?
Die AgO-Freizeit versucht diesen Spagat zu schlagen. Von universitärer Theologie hin zu ehrlicher und authentischer Verkündigung, die beides ernst nimmt: theologische „Richtigkeit“ und Gründlichkeit sowie die Notwendigkeit nach lebensnaher Verkündigung, die die Freiheit und Belastbarkeit in sich trägt, Zweifel und Fragen zulassen und aushalten zu können.
Für mich hat die AgO-Freizeit genau hier wertvolle Impulse gesetzt. Sie hat mein eigenes theologisches Denken hinterfragt und geprüft. Darüber hinaus habe ich die Bibel selbst in diesen Tagen nochmal neu zu schätzen gelernt. Die intensive Beschäftigung mit unserem theologischen Handwerkszeug machen das Werkzeug gebräuchlicher, vielseitiger und vertrauter. Alles in allem ein großer Gewinn!

Tim